Viel ist diskutiert worden nach der Veröffentlichung der Studie des Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung. Der Region wird in der Studie Handlungsbedarf bescheinigt. Prof. Dr.-Ing. Volker Altstädt, Geschäftsführer der Neuen Materialien Bayreuth GmbH (NMB), ist davon überzeugt, dass vor Ort die erforderliche Innovationskraft bereits vorhanden ist; sie sollte seiner Meinung nach aber besser vernetzt werden. Im Gespräch erläutert er, wie die Werkstoffregion Bayreuth durch maßgeschneiderte Kooperationen weiter nach vorne gebracht werden kann.
Herr Prof. Altstädt: Wie steht es Ihrer Ansicht nach derzeit in Oberfranken mit der Innovationsbereitschaft?
Die Menschen hierzulande neigen ja leider dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. In München wird das dann als Gejammer interpretiert. In Wirklichkeit aber gibt es gerade hier in Oberfranken eine Reihe von hochinnovativen Unternehmen, die nicht viel Aufsehen von sich machen, aber – man muss sagen bisweilen geradezu klammheimlich – hervorragende Produkte und Dienstleistungen schaffen – und das mit oft weltweitem Erfolg. Die Kehrseite dieser Bescheidenheit ist aber, dass manche der ansässigen Unternehmen auch dann zu selten mitteilen, dass bei ihnen der Schuh drückt und was ihre konkreten Bedürfnisse oder Probleme sind.
Woran liegt das?
Vielleicht zögern diese Betriebe, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen und externe Unterstützung zu suchen, aus Sorge, dadurch ihre Kenntnisse zu verraten. Damit bleibt aber die Chance ungenutzt, die in den enormen Potenzialen von Kooperationen und Netzwerken liegt. Diese Unternehmen sollten unbedingt über ihren Gartenzaun schauen, um von Außen Anregungen für ihre eigene Firma zu holen und gegebenenfalls Unterstützung zu erhalten.
Was konkret könnte sich aus einer solchen Kooperation ergeben?
Mein Eindruck ist, dass unsere Wirtschaft manchmal zu weit weg ist von Wissenschaft und Forschung. Daher sollte die Verzahnung untereinander unbedingt intensiviert werden. Aufeinander zugehen, voneinander profitieren, gegenseitig Ressourcen nutzen – so sollte die Devise der Zukunft heißen. Im Zusammenspiel von Spezialisten mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund ergeben sich oft völlig neue Perspektiven bei der Weiterentwicklung von Produkten. Diese Spezialisten müssen aber auch zusammen finden. Wer Netzwerke nutzt, kann an den richtigen Stellen anklopfen, kann attraktive Technologien einsetzen und dadurch konkurrenzfähiger werden.
Dies ist also die Aufgabenstellung von NMB?
Wir sehen uns in der Tat als Brücke zwischen der Grundlagenforschung an den Universitäten und der anwendungsnahen Produktforschung in der Industrie. Dabei haben wir den Fokus auf der Region und ihren spezifischen Strukturen. Unser Ziel ist es, die Innovationskraft der ansässigen Unternehmen zu stärken. Dafür müssen wir gezielt die Barrieren zu den mittelständischen Betrieben brechen und sowohl Offenheit untereinander als auch Kenntnisse übereinander fördern.
Können Sie noch ein Wort über Ihre Einrichtung sagen?
Die im Jahr 2000 im Rahmen der High Tech Offensive Bayern gegründete Neue Materialien Bayreuth GmbH ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die sich für die Werkstoffe Kunststoffe und Metalle mit anwendungsnaher Entwicklung von effizienten Fertigungsverfahren, prozessbezogener Materialwissenschaft sowie der Analytik von Werkstoffen beschäftigt.
Wo hat die Region momentan noch Schwachstellen?
Wir haben Probleme damit, Fachkräfte und Wissenschaftler in die Region zu holen. Dabei kann man gerade in Bayreuth zu günstigen Konditionen mit einer hohen Lebensqualität leben. Es gibt interessante Arbeitsplätze – schließlich haben wir eine Vielzahl an Firmen mit sehr besonderen Produkten und Dienstleistungen. Unsere Hidden Champions genießen weltweit Bekanntheit – in Oberfranken aber weiß kaum einer darüber Bescheid. Wir müssen also mehr positive Botschaften nach außen tragen, unsere Erfolge auch laut aussprechen. Die falsche Bescheidenheit der Region muss ein Ende haben.
Um auch junge Leute für den Standort Oberfranken zu begeistern?
Wenn wir die Vorzüge der Region gekonnt kommunizieren, wird es uns gelingen, die junge Generation hier zu behalten oder hierher zu locken. Die meisten Studierenden wandern nach ihrem Abschluss in die Ballungszentren und Metropolen ab. So gehen uns wertvolle Kräfte verloren. Wir sollten mehr pfiffige Werbung machen, erst recht über ungewöhnliche Kanäle; und dabei die Sprache der Jugend sprechen, um ihre Neugierde zu wecken.
Eine interessante Strategie, die durch „Impulse geben“ noch ergänzt wird?
Dieser Veranstaltungsreihe ist eine absolute Notwendigkeit, um die Menschen zu stimulieren. Sie schafft eine professionelle Begegnungsplattform, um sich kennenzulernen und auszutauschen oder um Geschäftskontakte und Industriepartnerschaften anzubahnen. Im Triangel können sich Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen hervorragend befruchten. Unsere zukünftige Wachstumsstrategie sieht vor, dass auch kleine Mittelständler in neue Technologien einsteigen. Wenn die verschiedenen Ideengeber an einen Tisch geholt werden, haben am Ende alle Erfolg. Warum also sollte jeder für sich alleine kämpfen?
Bei der Veranstaltung „Impulse geben“ am 24. März 2011 referiert Prof. Volker Altstädt über „Innovationen durch Kunststoffe für die Welt von morgen“. Nähere Informationen im Internet unter www.impulse-geben.com

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