Interview, 04.07.2022

Interview mit Norbert Heimbeck, Genussregion Oberfranken e.V.

Woher kennen Sie bzw. die Genussregion Oberfranken OPUS Marketing?

Fritz Nützel und ich haben eine gemeinsame Vergangenheit. Fritz ist Schriftsetzer, ich bin gelernter Journalist und wir haben im selben Betrieb gearbeitet. OPUS Marketing hat zudem für die Genussregion bereits verschiedene Werbemittel wie Broschüren und Flyer erstellt. Einige unserer Mitglieder sind Kund:innen von euch, beispielsweise die Gebhardtshofer Weidehennen. Es gibt somit viele Berührungspunkte. Ich denke, diese lange Verbindung ist auch einer der Gründe, warum Teresa Wilterius letztes Jahr bezüglich des NOPF-Workshops auf mich zugekommen ist.

Alle Infos über den NOPF-Workshop

Wir haben Sie bereits vor ein paar Jahren für unser Wilhelmine-Magazin interviewt. Dort haben wir uns über saisonale Lebensmittel, Kochen und das Einkaufen auf Wochenmärkten unterhalten. Wie hat sich seitdem die Bedeutung regionaler Lebensmittel für Verbraucher:innen verändert?

Während der Pandemie hatten wir einen gewaltigen Ansturm auf die Direktvermarkter:innen und die regionalen Erzeuger:innen. Leider haben viele von ihnen im Frühjahr 2022 drastische Einbrüche durch die neuen Corona-Lockerungen erlebt, da die Leute wieder andere Prioritäten setzen. Ich hatte mir erhofft, dass diese Hinwendung zu regionalen Produkten eine dauerhafte Veränderung im Verbraucherhandeln erzeugt. Während des Lockdowns haben wir auch deutlich gesehen, dass es in der lokalen und regionalen Versorgung nie Engpässe gab – Lücken hatte es vor allem bei internationalen Handelsketten gegeben.

Würden Sie sagen, dass sich gerade in solchen Krisen die Verbraucher:innen wieder mehr auf Regionalität besinnen?

Ich fürchte, dass es in der Krise weniger um Qualität und Herkunft der Lebensmittel geht. Seit dem Ende des Lockdowns sind die ganzen Freizeitaktivitäten wieder wichtiger geworden. Vielen war im Homeoffice langweilig, sodass sie sich am Kochen ausprobiert haben. Aber ich stelle fest, dass die Prioritäten jetzt wieder anders gesetzt werden und einige Verbraucher:innen lieber Geld in beliebigen Konsum und Auslandsurlaube stecken, anstatt in hochwertige Lebensmittel zu investieren.

Was erwarten Verbraucher:innen, wenn es um den Erwerb regionaler Lebensmittel und Produkte geht?

Studien zeigen unterschiedliche Gründe für den Kauf regionaler Lebensmittel. Platz 1 ist der Geschmack, gefolgt von der Qualität, der Herkunft und dem Preis. Die Preisdiskussion wird jetzt leider durch die Inflation erneut angeheizt. Das stand eine Zeitlang nichtmehr so im Fokus. Warum dann ausgerechnet bei den Lebensmitteln gespart wird, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man es wörtlich nimmt: Lebensmittel. Mittel zum Leben. Die sollten nicht einfach möglichst effizient den Kalorienbedarf decken, sondern uns gesund, fit und kreativ halten.

Schaut man sich die Werbung der großen Handelsketten an, wird auch hier die Regionalität betont. In vielen Fällen wir dieser Begriff leider sehr großzügig ausgelegt und kann auch ganz Deutschland umfassen. Bei der Genussregion Oberfranken ist das jedoch eindeutig festgelegt. Die Rohstoffe und Zutaten sollen zu mindestens 80 Prozent aus Oberfranken, mindestens jedoch aus Franken sein.

Welchen Herausforderungen stehen sich Ihrer Meinung nach Bäcker und Metzger in der Region gegenüber? Gerade mit Blick auf Punkte wie die Filialstruktur und die aktuellen Preisentwicklungen durch die Weltwirtschaftslage?

Ein großes Problem ist die Personalsituation. Es gibt wenig junge Leute, die bereit sind, in diese Berufe zu gehen, was ich außerordentlich schade finde. Sowohl das Bäcker- als auch das Metzgerhandwerk ist mit viel Kreativität und spannenden Aufgaben verbunden. Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielen in diesen Branchen eine große Rolle! Hol ich das Fleisch aus der Massentierhaltung oder versuche ich, Initiativen wie die Strohschweine zu unterstützen? Das gilt auch für die Bäcker! Spare ich beim Getreide oder mache ich eine regionale Genusspartnerschaft? Ein Landwirt in Hollfeld beispielsweise baut Dinkel an, der im Nachbarlandkreis gemahlen und dann an einen Bäcker vor Ort weitergegeben wird. So hat man eine klar umrissene Wertschöpfungskette, sodass ich als Kund:in weiß, dass das Brot direkt aus dem Landkreis kommt.

Die Filialstruktur ist in den beiden Branchen unterschiedlich. Bei Bäckern gibt es immer weniger selbstständige Betriebe bei gleichzeitig steigender Zahl von Filialen. Bei den Metzgereien ist der Trend nicht so stark. Im Durchschnitt hat jede zweite Metzgerei in Bayern mindestens eine Filiale. Der Rückgang der Betriebe im Metzgerhandwerk ist stärker als der Rückgang der Verkaufsstellen. Neu ist, dass jede Frischfleischtheke eines Supermarkts in Zukunft auch bei der Handwerkskammer eingetragen sein und entsprechende Qualifikationen nachweisen muss.

Was raten Sie den regionalen Erzeuger:innen, wie Sie ihre Produkte am besten platzieren und sich so gegenüber Großkonzernen positionieren können?

Auf keinen Fall sollten sich regionale Erzeuger:innen auf den Preiswettkampf einlassen. Das kann man nicht gewinnen, da die großen Ketten mit ihrer Marktmacht die Preise bis auf den letzten Cent diktieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine coole Story zum Produkt für eine gute Platzierung sorgt! Geben sich die Erzeuger:innen und Verkäufer:innen zu erkennen und ist die Herkunft der Waren transparent,  lässt sich auch der gute Geschmack und die Begeisterung für das Produkt gut an die Kund:innen bringen.

Ein Blick in die Zukunft: Wo wird die Reise der regionalen Produkte hingehen?

Ich glaube, dass die Schere zwischen denen, die sehr auf den Preis achten, und den qualitätsbewussten Verbraucher:innen weiter auseinander gehen wird. Ich hoffe, dass unsere Erzeuger:innen erkennen, dass sie noch aktiver werden müssen, um den Verbraucher:innen den Wert ihrer Produkte zu erklären. Eine Idee ist der Wochenmarkt, um hier den Verbraucher:innen die Produkte näher zu bringen

Was wünschen Sie sich für unsere Region und die Betriebe?

Dass wir diese kulinarische Vielfalt, die wir in Oberfranken noch haben, weiter erhalten und verbreiten. Wir haben viele Betriebe, die seit Generationen bestehen und somit für eine reiche Historie sorgen. Wir müssen alle zusammenhelfen, um das zu erhalten. Das ist auch prägend für die Region. Der Ruf der Genussregion ist weit über Franken hinaus bekannt. Zum Glück wächst das Interesse, über Themen wie Klimaschutz und Verschwendung von Lebensmitteln zu sprechen. Ich hoffe, dass wir so viele Verbraucher:innen erreichen.

Vielen Dank für das Interview!

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